Eulenpost

Schülerzeitung der Waldschule Hagen-Beverstedt

Katalonien – Der Kampf um die Unabhängigkeit

Katalonien – Der Kampf um die Unabhängigkeit

von Sebastian Vogel

Katalonien will sich von Spanien abspalten und als unabhängiges, eigenständiges Land anerkannt werden. Dabei gibt es vor allem einen prominenten Unterstützer, und zwar Pep Guardiola, derzeit Trainer des FC Bayern München. Auch die Fans seines ehemaligen Vereins FC Barcelona sind für die Abspaltung und sehen ihren Klub als katalanische Nationalmannschaft.
Doch was genau ist Katalonien eigentlich?
Katalonien ist eine der 17 autonomen Gemeinschaften Spaniens und hat eine Fläche von 31 107 km². In der im Nordosten Spaniens liegenden Provinz leben rund 7,5 Millionen Menschen, davon 1,6 Millionen in der Hauptstadt Barcelona. Die Amtssprachen sind Katalanisch, Spanisch sowie Aranesisch. Katalonien ist die wirtschaftlich stärkste Region Spaniens. Der Ministerpräsident ist Artus Mas von der Regionalpartei CDC.
Und warum will Katalonien sich abspalten?
Dies liegt zuerst einmal vor allem an dem starken Nationalgefühl der Katalanen, das aus ihrer Geschichte resultiert. Katalonien war mehrfach unabhängig, war jedoch meist Teil anderer Staaten. Besonders während der Diktatur Francisco Francos von 1936 bis 1975 wurde es stark unterdrückt, zum Beispiel wurde der öffentliche Gebrauch der katalanischen Sprache verboten und Schulunterricht fand nur auf Spanisch statt. In dieser Zeit hat sich sozusagen aus Trotz ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Katalanen sowie ein großer Unabhängigkeitsdrang entwickelt. Zudem ist Katalonien die wirtschaftlich stärkste Region Spaniens. Ähnlich dem deutschen Länderfinanzausgleich muss Katalonien wirtschaftlich schwächeren Regionen Spaniens Geld abgeben. Die Katalanen versorgen also die anderen Spanier mit, obwohl sie sich selbst gar nicht als Spanier sehen.
Wie soll der Abspaltungsprozess verlaufen?
Die Parlamentswahlen in Katalonien am 27. September 2015 wurde von den Befürwortern als Volksbefragung über die Abspaltung Kataloniens von Spanien gesehen. Dabei erreichten die Parteien, die eine Unabhängigkeit befürworten, knapp 48 % der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei einem sehr hohen Wert von 77 %. Am 9. November beschloss das Parlament den Abspaltungsprozess offiziell zu starten. Dabei werde sich die katalanische Regionalregierung nicht den Entscheidungen Spaniens und deren Gerichten zu unterwerfen. Noch am selben Tag reichte die spanische Regierung Verfassungsklage gegen diesen Beschluss ein. Am 2. Dezember urteilte das spanische Verfassungsgericht, dass der Beschluss verfassungswidrig ist, da er gegen das Prinzip der Einheit Spaniens verstoße. Damit ist der Beschluss eigentlich außer Kraft, es ist jedoch nicht zu erwarten, dass Katalonien sich dem fügen wird.
Was hätte die Abspaltung für Folgen?
Würde Katalonien tatsächlich einen eigenen Staat ausrufen, müsste es erst einmal von allen anderen Ländern als unabhängig akzeptiert werden. Es ist zu erwarten, dass vor allem die europäischen Länder dies nicht tun werden. Somit wäre Katalonien nicht Mitglied der Vereinten Nationen (UN), in der alle Länder der Welt vereint sind. Katalonien würde auch die EU-Mitgliedschaft verlieren, obwohl der Großteil der katalanischen Bevölkerung, auch die Unabhängigkeitsbefürworter, in der EU bleiben wollen. Dazu müsste Katalonien sich für den EU-Beitritt bewerben, sich jedoch hinter anderen Beitrittskandidaten anstellen, wie zum Beispiel dem Kosovo oder der Türkei. Der Euro könnte als Währung weiter benutzt werde, jedoch hätte Katalonien keinen Einfluss mehr auf die Geldpolitik. Zudem hätte die Unabhängigkeit erhebliche Folgen für die Wirtschaft Spaniens, aber vermutlich auch Kataloniens.
Auch für den FC Barcelona hätte eine Abspaltung Folgen: Er dürfte, wie alle katalanischen Vereine, nicht mehr in der spanischen Liga spielen. Allerdings hat die französische Profiliga bereits angekündigt, im Fall der Fälle eine Ausnahmeregelung zu treffen, wie sie auch für Vereine aus Monaco gilt. Dann dürfte der FC Barcelona in Frankreichs Ligue 1 mitspielen. Jedoch müsste auch ein neuer Fußballverband in Katalonien gegründet werden, der sich dann auch für eine Mitgliedschaft im Weltverband FIFA sowie im europäischen Kontinentalverband UEFA bewerben müsste. Diese ist jedoch meist an eine Anerkennung als Staat gebunden. Damit dürften katalanische Vereine nicht an europäischen Wettbewerben wie der Champions League und die katalanische Nationalmannschaft nicht an Welt- und Europameisterschaften teilnehmen.

Eulenpost-Redaktion

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