Eulenpost

Schülerzeitung der Waldschule Hagen-Beverstedt

Schule früher

Schule früher

von Klara Granzow

Wie heutzutage die Schule aussieht, weiß ja jedes (Schul-)Kind. Tischreihen für die Schüler, vorne die Tafel und das Lehrerpult. Auch darüber, was man im Unterricht darf und was nicht, sollten die meisten Schüler informiert sein. Man soll im Unterricht nichts essen, man soll den Lehrer nicht unterbrechen und wenn man etwas sagen möchte, meldet man sich und wartet bis man dran genommen wird. In der Pause haben sich die Schüler meistens draußen aufzuhalten und nach dem Klingeln kommen sie zurück in den Klassenraum und setzten sich auf ihre Plätze.
Doch es gibt ja nicht erst seit kurzem die Schule. Wie also sah es früher aus? Bestimmt nicht so wie heute, da der Unterricht und die Lehrer sich verändert haben. Aber war es früher so sehr anders als heute?

Schule im 19. Jahrhundert
Die Unterrichtsziele waren Gehorsam, Fleiß, Ordnung und Sauberkeit. Das wurde den Kindern größtenteils in der Schule beigebracht und das auch mit harten Lehrmethoden und besonders schlimmen Strafen. Rutenschläge, Stockschläge, Handtatzen oder das Knien auf einem Holzscheit waren (laut der Lehrer) gute Methoden zum Lehrern von Disziplin.
Die besonders wichtige Vorstellung der Disziplin war es, ruhig und gerade zu sitzen. Die Lehrer sollten darauf immer mehr und genauer achten, so heißt es auch 1886:
„Die Gewöhnung der Schüler an die richtige Körperhaltung ist aber nicht bloß ein Gebot der Schulgesundheitspflege, sondern zugleich ein wichtiges Disciplinarmittel; denn es ist gewiss, dass ein Kind , welches angehalten wird, auf seine äußere Haltung zu achten, sich auch innerlich zusammennehmen und Akta der Selbstbeherrschung üben muss.“

Sogar ein Beschluss der Regierung aus dem selben Jahr beschäftigt sich mit dem Thema. Darin steht, worauf bei der Gesundheitsmäßigen Schreibstellung der Kinder zu achten sei:
„Die Füße der Schüler müssen mit ihrer ganzen Sohle auf dem Boden oder Fußbrette ruhen.
Die Oberschenkel müssen mit dem größten Teil ihrer Länge auf der Bankfläche aufliegen: die Schüler dürfen also nicht auf der Kante der Bank sitzen.
Der Oberkörper darf nur sehr wenig nach vorn geneigt und keinesfalls an die Tischkante der Bank angelehnt sein.
Der Kopf muss möglichst gerade gehalten werden, so dass das Kinn die Brust nicht berührt.
Die Schultern müssen sich in gleichlaufender Richtung mit der Tischkante befinden.
Die rechte Schulter darf weder höher noch niederer stehen als die linke.
Der linke Vorderarm soll ganz, der rechte wenigstens mit seiner vorderen Hälfte auf der Tischplatte liegen.“

Damals war ein gutes Gehorsam wichtig und wurde mit strengen Mitteln beigebracht. Wenn der Lehrer etwas von dem Schüler verlangte, hatte dieser es „rasch, sicher und geräuschlos“ auszuführen. Man sollte also im Takt arbeiten und sich bewegen. Die Schüler hatten auch folgende Dinge im Unterricht im Takt zu erledigen:
Das Aufstehen und Niedersetzen, das Austeilen oder Einsammeln von Schreibheften, das Chorsprechen, das „Hinweggehen“ aus der Schule und das Einüben der Schönschrift.
Da es damals noch nicht sehr üblich war, sich reinlich zu pflegen, war es in der Schule wichtig, dies als Ziel der Erziehung anzusehen. Die Schüler hatten immer saubere Kleidung zu tragen, die Haare mussten gekämmt und die Hände gewaschen sein.
Die Erziehung begann für die Schüler allerdings erst mit kleinen Dingen, wie dem Wischen der Tafel. Man hatte noch auf kleinen Schiefertäfelchen geschrieben und oft wurde das Geschriebene nur mit Spucke oder mit der Kleidung wieder weggewischt. Damit das nicht mehr gemacht wurde, sollten die Lehrer sowohl Schwämmchen, als auch kleine Lappen und etwas Wasser im Klassenraum für die Schüler bereitstehen haben.

Natürlich sollten die Kinder damals nicht nur zu gläubigen Christen und zu Untertanen erzogen werden, sondern auch das Schreiben und Lesen sowie Mathematik erlernen. Dabei wurde großer Wert auf Praxis gelegt. In einer damaligen Schulstatistik des Jahres 1883 stehen die Fächer und Unterrichtsklassen geschrieben:
„Es besteht hier eine Schule, welche in drey Klaßen abgetheilt ist, jedoch ohne Unterschied des Geschlechts.
Die I. Klaße wird mit Buchstabenkenntniß, Buchstabiren, Zählen und Religion/:Alter der Kinder 6 – 8 Jahre.
Die II. Klaße mit Lesübungen, Schreibübungen. an der Tafel Kopfrechnen, Schriftlesen und Religion/: Alter 8 – 10 Jahre.
Die III., mit Lesübungen, Sprachlehre, Naturlehre und Geschichte, schriftlichen Aufsätzen und Religion beschäftiget /: Alter 10 – 12 Jahre. In der Feyertagsschule werden die Gegenstände der III.Classe wiederholt.“

Im Rechenunterricht sollten „einfache, leichte Rechenaufgaben aus dem praktischen Leben“ geübt werden. Dadurch sollten die Schüler „Gewandtheit in der Berechnung praktischer Aufgaben aus dem bürgerlichen Leben“ erlangen.

Auch wurde 1886 bestimmt „dass in jeder geschlossenen Schulabteilung in jedem Jahr wenigstens 3 Lieder neu zu erlernen sind. Bei Einübung der Lieder ist die Violine zu benützen, daher „der Lehrer seine Violine stets in gutem Stand zu erhalten hat“

Das Beschäftigen mit und im Schulgarten war ebenfalls ein wichtiges Fach. Hierbei wurden die Schüler sowohl praktisch, als auch theoretisch mit dem Thema vertraut gemacht.

Werktags- und Feiertagsschule

Im 19. Jahrhundert musste die Werktagsschule sechs bis sieben Jahre besucht werden, die Feiertagsschule nur drei Jahre. Als Voraussetzung für den Eintritt in die Feiertagsschule musste man die Werktagsschule abgeschlossen haben. Die Kinder sind im Alter von sechs oder sieben Jahren in die Schule gekommen.
Die Eltern nahmen es damals mit der Schulpflicht nicht so genau, da ihnen durch diese wertvolle Arbeitskraft über den Tag verloren ging und besonders Geld. Daher fehlten bestimmte Kinder oft, besonders jene, die aus ärmeren Familien stammten. Man konnte damals viele verschiedene Gründe lesen, die in den Entschuldigungen angegeben wurden, unter anderem auch:
„Musste Vieh führen und wurde deshalb nicht in die Feiertagsschule geschickt“, “ … hat Gänse gehütet“, „wurde zur Feldarbeit verwendet“ oder „mussten ihre gesammelten Schwarzbeeren auf die Station tragen“.
Seit aber in Bayern die Schulpflicht eingeführt wurde, blieb nicht mehr jedes Fehlen unbestraft. Ein Schulbote wurde eingestellt, der immer bei Fehlen eines Kindes nachprüfen musste, ob es nun tatsächlich krank sei, oder aus anderen, wichtigen Gründen von den Eltern zuhause gelassen wurde.Traf jedoch keines von beiden zu, hatte der Bote die Kinder zum Unterricht zu bringen. Allerdings mussten die Eltern für jeden Gang des Schulboten im Jahre 1889 10 Kreuzer zahlen.

Der Schulsaal

SchuleFrüherSchulsaalAuf dem Bild ist ein typischer Schulsaal zu sehen, wie er um das Jahre 1900 in einer Dorfschule ausgesehen hat. Dorfschule ausgesehen hat: Hinter dem Katheder, dem erhöht stehenden Pult, nahm der Lehrer Platz, um die Fortschritte seiner Schüler zu überwachen. Sein „Tatzenstecken“ erwischte manchmal faule oder ungehorsame Schüler. Die Schüler saßen in hölzernen Schulbänken, in die Vertiefungen für die Tintenfässer eingelassen waren. Aus einer großen Flasche verteilte der Lehrer die Tinte, die er ursprünglich sogar aus rostigen Nägeln und Gallen von Eichbäumen selbst herstellen musste.
Die Schüler schrieben mit Kreidegriffeln auf Schiefertafeln. Manchmal wurden sie an die große Wandtafel zitiert, um etwas anzuschreiben. Da meist kein fließendes Wasser im Schulhaus war, stand neben der Tafel ein Waschgeschirr mit Wasserkrug und Schüsseln für den Tafelschwamm. Die Schulutensilien wurden von den Schülern in hölzernen Schulbutten oder ledernen Schulranzen transportiert. Die Butten wurden meist von den Vätern selbst angefertigt. Die bunten Schulwandbilder waren ebenso wie der Globus Lehrmittel, anhand derer den Kindern die Welt erklärt wurde.

Das Beheizen des Schulsaals
Für das Holz zum Heizen hatte nicht etwa der Lehrer selbst, sondern die Bürger der Gemeinde zu sorgen, was jedoch nicht immer ohne Probleme ablief. Es kam vor, dass zu wenig oder zu frisches Brennholz bei der Schule abgeliefert wurde. Natürlich gab es aber auch noch andere Probleme beim Heizen. Da sich im Zimmer ja nur ein einziger Ofen befand, war die Wärmeverteilung sehr unterschiedlich. In einem Schreiben der Regierung ist zu lesen:
„In vielen Schulen der Oberpfalz besteht die Übung, die Schüler während der ganzen Winterszeit auf denselben Plätzen, die ihnen beim Beginn des Schuljahres angewiesen wurden, zu belassen, so dass die Schüler, welche neben dem Ofen zu sitzen kommen, fortwährend der Hitze, andere, welche bei der Türe oder hart an den Fenstern immer der kalten Zugluft ausgesetzt sind.“ Um diese Mißstände zu beseitigen, empfahl man den Lehrern, „gegebenen Falles einen öfteren Wechsel bei diesen weniger günstigen Plätzen eintreten zu lassen, jedenfalls aber dafür zu sorgen, dass überall, wo die Bänke mehr an den Ofen heranreichen, Ofenschirme angebracht … werden.“

Wie man also sieht, sind die Unterschiede von Heute und Damals sehr groß. Heutzutage hat man als Schüler viel mehr zu lernen aber das auch unter besseren Umständen als in der damaligen Zeit. Auch wenn wir heute denken, Schule sei viel zu schwer, so kann man sich doch freuen, nicht damals zur Schule gegangen zu sein.

Quelle Bild 1, Quelle Zitate und Bild 2

Eulenpost-Redaktion

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