Eulenpost

Schülerzeitung der Waldschule Hagen-Beverstedt

Vom Dorfkind zur Weltenbummlerin

Vom Dorfkind zur Weltenbummlerin

von Isabella Stechel-Marceddu

Vom 04.02.19 bis zum 15.02.19 absolvierte ich mein Betriebspraktikum bei dem Magazin „stern“ in dem Ressort Politik-Wirtschaft in Hamburg. In diesem Artikel berichte ich von meinen Erfahrungen und Eindrücken in unserer Hauptstadt.

Einfach ins kalte Wasser geschmissen. So habe ich mich gefühlt als mir eröffnet wurde, dass ich nach Berlin fahren könnte, um Wirtschaftsminister Peter Altmaier zu interviewen. Wobei das vielleicht nicht ganz stimmt, das Wasser war wohl eher lauwarm, schließlich wurde ich gut vorbereitet, und zusätzlich war es noch voller Glitzer, denn wer bekommt am ersten Tag als Schülerpraktikantin so eine große und außergewöhnliche Aufgabe?

Berlin. Auch wenn es für mein Alter ungewöhnlich ist, war ich noch nie in Berlin. Eigentlich sind die zwei Wochen in Hamburg schon ein großes Abenteuer für mich und eine Belastung der Nerven meiner Eltern. Mit welcher Straßenbahn muss ich fahren? Moment, ist das auch die richtige Richtung? – Fragen, mit denen ich mich bisher nicht auseinander setzen musste. In meinem Dorf, dem beschaulichen Bramstedt, fahren morgens drei Busse zur Schule (wobei das im Vergleich zu den Nachbarorten noch echter Luxus ist), völlig egal welchen man nimmt, doof nur, wenn man alle drei verpasst. Das war es dann nämlich mit den Bussen für den Tag.
Die Zugfahrt nach Berlin war weitestgehend entspannt, selbst ich als Dorfkind kannte mich inzwischen mit so etwas aus. Ein wenig panisch wurde ich nur, als der Zug in Berlin-Spandau hielt, ich nicht ausstieg und aus den Lautsprecher anschließend eine freundliche Frauenstimme ertönte: „Guten Tag, meine Damen und Herren, wir begrüßen Sie in unserem Zug nach München Hauptbahnhof über Leipzig, Erfurt und Nürnberg…“. „Oh nein, bitte nicht!“, dachte ich mir und sah den Nachmittag schon an mir vorbeiziehen. Glücklicherweise, war die ganze Aufregung umsonst und nach kurzer Zeit hielt der Zug am Hauptbahnhof.
Auf dem Weg zur Redaktion stellte ich fest, dass ich mir Berlin irgendwie anders vorgestellt hatte. Überlaufener, voller – vermutlich entsprachen meine Vorstellungen eher New York. Dennoch war ich beeindruckt von der Größe und den imposanten Gebäuden. Durch die Fensterscheiben der S-Bahn konnte ich einen Blick auf das Reichstagsgebäude und das Brandenburger Tor erhaschen. Es war eine unwirkliche Situation, Gebäude, die man jahrelang in den Nachrichten und auf Fotos gesehen hatte, plötzlich nur ein paar Meter Luftlinie von sich entfernt zu haben.
Nach Ausarbeitung der Fragen für das Interview und einer Stärkung am Mittag machte ich mich zusammen mit den stern-Redakteuren Axel Vornbäumen und Andreas Hoidn-Borchers auf dem Weg zum Ministerium für Wirtschaft und Energie. Als wir an einer Straßenbahnstation warteten, begann ein Mann auf der anderen Seite lauthals loszuschreien. „Das macht der immer“, wurde mir erklärt. Anscheinend gibt es selbst in einer großen Stadt wie Berlin Menschen, die jeder kennt.
Eine andere Sache, an die ich mich, sowohl in Berlin als auch in Hamburg, noch gewöhnen muss ist, dass man nicht jeden grüßt, dem man über den Weg läuft. In unserem kleinen Dörfchen ist das völlig normal, auch wenn man die Person nicht kennt, mehr noch, es ist unhöflich, wenn man es nicht macht.
Man könnte bei der Formulierung „selbst, wenn man die Person nicht kennt“ stutzig werden. Ja, selbst in einem Dorf, das nur knapp 1000 Einwohner hat, kennt man nicht jeden. Deshalb ist es mir auch immer rätselhaft, wie in Serien, die in Kleinstädten spielen, ständig davon geredet wird, dass jeder jeden kennt. Das erscheint mir schier unmöglich.

Nach dem Interview stand für mich schon wieder die Rückreise an. Somit kam ich leider auch nicht in den Genuss, die Hauptstadt noch ein wenig besser kennen zu lernen. Allzu traurig war ich deswegen jedoch nicht. Sicherlich würde ich in naher Zukunft noch einmal die Gelegenheit bekommen, sie zu besuchen, jetzt wo wir schon eine lockere Freundschaft geschlossen hatten. Ich werde wohl für immer ein Dorfkind bleiben und auch stolz darauf sein, aber ich freue mich schon sehr darauf, eines Tages den Titel „Weltenbummlerin“ tragen zu dürfen.

Eulenpost-Redaktion

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